Interview mit Anna Lischka (August 2026)

... über österreichische Kultur in Belgien und was Stiftsführungen damit zu tun haben.
Anna Lischka, geborene Humenberger, ist in Kremsmünster aufgewachsen. Nach der Volksschule besuchte sie das Gymnasium Schlierbach und studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien Handelswissenschaften. Studien- und Auslandsaufenthalte in den USA und Australien sowie ihre Leidenschaft für Kunst und Kultur prägten ihren weiteren Weg. Heute lebt Mag. Lischka mit ihrem Mann und Sohn in Brüssel und arbeitet als Kulturreferentin am Österreichischen Kulturforum. Wir wollten das im Interview genauer erfahren:
Was genau sind Ihre Aufgaben als Kulturreferentin am Österreichischen Kulturforum Brüssel – und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Anna Lischka: Das Österreichische Kulturforum (ÖKF) Brüssel ist organisatorisch in der Österreichischen Botschaft in Brüssel angesiedelt und somit Teil des Außenministeriums. Unser dreiköpfiges Team arbeitet inhaltlich und programmatisch weitgehend eigenverantwortlich, und zugleich eng mit dem Botschafter zusammen.
Zu meinen Aufgaben gehören die Umsetzung der österreichischen Auslandskultur und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Österreich und Belgien. Außerdem unterstütze ich österreichische Kunstschaffende sowie Forschende – insbesondere junge Talente – dabei, Kontakte in Belgien aufzubauen. Dazu gehören auch die Auslotung von Fördermöglichkeiten und die organisatorische Begleitung von Projekten.
Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht, weil unterschiedliche Projekte oder Anfragen immer wieder Abwechslung oder Überraschungen bringen. Es gibt aber natürlich bestimmte Routinen in der Organisation einer Veranstaltung; der Weg dort hin kann aber recht vielfältig sein, so wie auch unsere Projektpartner recht unterschiedlich sein können. Das macht diese Aufgabe auch so interessant. Mein Arbeitsalltag ist eine Mischung aus Kulturmanagement (Programmplanung und Projektumsetzung), klassischer Bürokratie (Berichte, Abrechnungen), Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkarbeit. Die Kommunikation und der Austausch mit Kunstschaffenden und Partnerinstitutionen sind ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit.
Besonders spannend an meiner Tätigkeit in Belgien finde ich die sprachliche Vielfalt: In meinem Arbeitsalltag wechsle ich je nach Gesprächspartner und Situation zwischen Deutsch, Französisch, Niederländisch und Englisch. Gleichzeitig bietet mir die Arbeit die Möglichkeit, durch Kulturprojekte Menschen aus unterschiedlichen Ländern miteinander zu verbinden.
Wie kommen österreichische Künstlerinnen und Künstler zu einem Auftritt in Belgien? Treten diese an Sie heran, melden sich belgische Veranstalter – oder werden Sie selbst aktiv und sprechen gezielt Einladungen aus?
Anna Lischka: Ja, alle Varianten sind möglich. Hauptsächlich treten die Künstlerinnen und Künstler direkt an uns heran. Dann werden die Rahmenbedingungen besprochen und die Vermittlung von Kontakten bzw. die Abklärung der Fördermöglichkeiten startet.
Mit dem Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker aus dem nahe gelegenen Eberstalzell oder der Sängerin Avec waren u.a. auch Kunstschaffende aus Oberösterreich Teil Ihrer Arbeit. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Anna Lischka: Reinhard Kaiser-Mühlecker beispielsweise haben wir aus eigener Initiative für drei Lesungen in Brüssel eingeladen. Besonders reizvoll finde ich dabei, die Künstlerinnen und Künstler auch abseits der Bühne kennenzulernen – die persönlichen Begegnungen und Gespräche sind sehr bereichernd. Die Betreuung kann dabei durchaus vielfältig sein: einmal musste ich drei Musikerinnen samt ihren Instrumenten (ein großes Cello und eine Violine) in meinem kleinen Auto zum Auftrittsort an der niederländischen Grenze bringen, weil es dorthin keine öffentliche Verbindung gab. Zum Glück war das Klavier bereits vor Ort. Solche Situationen sorgen für die eine oder andere lustige Geschichte. Durch die enge Zusammenarbeit entstehen manchmal sogar persönliche Verbindungen und Freundschaften.
Sie begegnen in Ihrem Beruf vielen österreichischen Künstlerinnen und Künstlern. Gab es eine Begegnung, die Sie persönlich besonders überrascht oder beeindruckt hat?
Anna Lischka: Beeindruckend war u.a. eine Lesung von Robert Menasse, die aufgrund des großen Interesses mit mehr als 600 Personen in einen zweiten Saal übertragen werden musste. Aber jede Begegnung ist für sich besonders und inspirierend. Im persönlichen Austausch habe ich auch bekannte Künstlerpersönlichkeiten oft als sehr bescheiden und unkompliziert erlebt.
Wie wichtig ist das Netzwerk zu belgischen Festivals, Kulturhäusern und Veranstaltern – und wie baut man solche Beziehungen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg auf?
Anna Lischka: Netzwerke und persönliche Kontakte sind für meine Arbeit ganz wesentlich und entstehen vor allem durch viel Engagement und persönlichen Austausch. Dabei ist es mir besonders wichtig, unsere belgischen Partner möglichst in ihrer jeweiligen Muttersprache anzusprechen. Das macht die Kommunikation dann persönlicher, schafft Nähe und Wertschätzung. Offen auf Menschen zuzugehen und gerne den Kontakt zu suchen, ist dabei sicherlich eine wichtige Voraussetzung.
Darüber hinaus arbeiten wir auch mit den in Belgien ansässigen Kulturinstitutionen der anderen EU-Länder zusammen und organisieren gemeinsame Projekte wie das Festival des deutschsprachigen Films.
Schon in jungen Jahren haben Sie Führungen im Stift Kremsmünster übernommen. War das rückblickend bereits eine erste Vorbereitung auf Ihren heutigen internationalen Beruf?
Anna Lischka: Mit 17 Jahren habe ich in den Ferien schon die ersten Stiftsführungen übernommen und kam verstärkt mit Kunst und Kultur in Berührung. Dabei konnte ich auch meine Französisch- und Italienisch-Kenntnisse gut einsetzen. Der erste Berufsweg führte mich in das Unternehmen von Karlheinz Essl. Dort durfte ich mir - wie allen anderen Mitarbeitenden - ein Kunstwerk aus der renommierten Sammlung für mein Büro aussuchen. Diese Geste war für mich eine besondere Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden und Kunstschaffenden gleichermaßen.
Welches Bild von Österreich wollen Sie in Belgien vermitteln?
Anna Lischka: Wir möchten ein vielfältiges und modernes Österreich zeigen – ein Land mit einer reichen Kultur und Tradition, und gleichzeitig mit einer lebendigen zeitgenössischen Kunst- und Kulturszene. Österreich soll mit den Mitteln der Kultur positiv wahrgenommen werden.
… und welche Bilder gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie heute nach Kremsmünster heimkommen?
Anna Lischka: Von der Autobahn kommend, freue ich mich jedes Mal, wenn sich der Blick ins Kremstal öffnet und die Stiftstürme auftauchen. In Kremsmünster mag ich auch besonders den Blick von der Moschee in Richtung Berge und über den Ort – von dort ist genau gegenüber auch mein Elternhaus zu sehen.
Interview mit Markus Mitteregger (Juli 2026)

über die Zukunft von Erdgas, Erdöl und Wasserstoff und was der Sport damit zu tun hat
Der Kremsmünsterer Markus Mitteregger ist in den letzten Jahren bei der RAG Austria als innovativer Manager österreichweit hervorgestochen und schlägt hier den Bogen von Kremsmünster zur internationalen Energiewelt. Fachlicher Hintergrund: Mitteregger ist seit 2003 Vorstand und seit 2008 CEO der RAG Austria AG; sein Bildungsweg führte vom Stiftsgymnasium Kremsmünster über Erdölwesen in Leoben bis zum MBA in Kalifornien. Die RAG arbeitet heute stark an Wasserstoffproduktion und saisonaler Speicherung erneuerbarer Energie, etwa mit dem „Underground Sun Storage“-Projekt.
Er hat auf nachstehende Fragen gerne Antworten gegeben:
Sie sind in Oberösterreich geprägt worden und haben das Stiftsgymnasium Kremsmünster besucht. Was nimmt man aus einer Kleinregion wie unserer mit, wenn man später ein international tätiges Energieunternehmen führt?
Markus Mitteregger: Die Region rund um Kremsmünster hat sich industriell stark weiterentwickelt und zeigt heute eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft und internationale Stärke in regionalem Umfeld entstehen kann. Darauf kann Kremsmünster und Oberösterreich zu Recht stolz sein. Entscheidend ist, diese Stärke gemeinsam weiterzuentwickeln – mit Weitblick, Bodenständigkeit und dem Anspruch, nachhaltige Lösungen für die Zukunft zu schaffen.
Ihre beruflichen Wurzeln liegen in Erdöl und Erdgas. Wann war für Sie persönlich der Moment, an dem klar wurde: Die Zukunft der Energie liegt nicht nur im Fördern, sondern vor allem im Speichern, Umwandeln und intelligenten Nutzen?
Markus Mitteregger: Die Entwicklung entstand aus einer klaren Notwendigkeit heraus: Die damaligen Eigentümer der RAG (Mobil und Shell) legten den Fokus nur auf die Förderung von Erdöl und Erdgas. Damit war langfristig in Österreich keine Weiterentwicklung möglich. Große europäische Erdgas-Importeure und Versorger hatten zunehmend Bedarf an Speichermöglichkeiten. RAG konnte mit gezielten Investitionen saisonale Speicherkapazitäten aufbauen und Lagerstätten nachhaltig nutzbar machen. Heute ist RAG der viert größte Speicherbetreiber der EU.
Dazu war bereits Anfang der 2010er-Jahre absehbar, dass die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen – insbesondere aus Photovoltaik – stark zunehmen würde und damit auch der Bedarf an saisonaler Speicherung, etwa mittels Wasserstoff, steigt. Heute verfügen wir über die entsprechenden Lösungen und können diese Leistungen erfolgreich anbieten.
Viele Menschen verbinden Erdgas mit Vergangenheit und Wasserstoff mit Zukunft. Sehen Sie darin einen Bruch — oder eher eine Weiterentwicklung von Wissen, Infrastruktur und Verantwortung?
Markus Mitteregger: Ich sehe Erdgas und Erdöl als wertvolle Rohstoffe, die auch künftig eine wichtige Rolle spielen werden – jedoch zunehmend als Rohstoffe und weniger als klassische Brennstoffe. Rohöl ist in vielen Bereich nicht wegzudenken und wir haben in Krift - frei zugänglich - viele Beispiele von unverzichtbaren Ölprodukten des täglichen Lebens dargestellt.
Auch in Erdgas (Methan) steckt weitaus mehr als Energie: Ebenfalls in Krift steht eine Entwicklungsanlage, die aus Erdgas ohne Emissionen Wasserstoff und reinen Kohlenstoff erzeugt. Mit dem Wasserstoff speisen wir ein Blockheizkraftwerk, um damit grüne Wärme für Kremsmünster zu erzeugen. Der Kohlenstoff wird erfolgreich zur Bodenverbesserung und als innovatives Material eingesetzt.
RAG hat mit unterirdischer Wasserstoffspeicherung international beachtete Projekte umgesetzt. Wie erklärt man einem Gemeindebürger einfach, warum gerade Speicher der Schlüssel zur Energiewende sind?
Markus Mitteregger: Vielen ist inzwischen bewusst: Der Ausbau der Solarstromproduktion geht stetig voran, Sonne, Licht und lange Tage haben wir aber nur im Sommerhalbjahr. Wind weht dann und wann, jedenfalls nicht zuverlässig und wochenlang manchmal gar nicht. Energie brauchen wir aber verlässlich und bedarfsgerecht und vor allem im Winter als Wärme und Strom. So wie in der Landwirtschaft Wachstum und Ernte nur in den sonnenreichen Monaten passiert und für den Winter gelagert wird, so braucht auch das Energiesystem „Lager“. Batterien und Pumpspeicher sind Tagesspeicher für den kurzfristigen Ausgleich. Wir bauen mit unseren unterirdischen Speichern aber die saisonalen „Lager“, mit denen man längere Flauten überbrückt und über den Winter kommt. Diese gibt es bislang für erneuerbaren Strom weltweit nicht. So ermöglichen wir volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien und tragen gleichzeitig dazu bei, sommerliche Überschüsse und winterliche Importabhängigkeit im Energiesektor nachhaltig zu reduzieren.
Sommerstrom in den Winter bringen — das klingt fast wie eine einfache Idee, ist technisch aber hochkomplex. Was fasziniert Sie persönlich an dieser Aufgabe am meisten?
Markus Mitteregger: Die Entwicklungsarbeit in den letzten 15 Jahren war aufwendig und komplex. Unser Vorbild ist die Natur: Wenn man genau hinsieht, wie viele ausgeklügelte Möglichkeiten die Evolution in Flora und Fauna entwickelt hat, um den Winter zu überbrücken, so war dies auch für mich der stärkste Antrieb. In einer erneuerbaren Welt, die irgendwann nicht mehr auf bereits vorhandene (fossile) Energieformen als Reserve zurückgreifen kann, haben wir keine Wahl als über Sonnen-Speicher den Winter abzusichern.
Was kann eine Gemeinde oder Kleinregion wie Kremsmünster aus großen Energieprojekten lernen: eher Mut zur Innovation, Geduld bei langen Entwicklungszeiten oder die Bereitschaft, über Gemeindegrenzen hinauszudenken?
Markus Mitteregger: Innovation, Geduld und vor allem ganzheitliches übergreifendes Denken und Handeln im Bereich Energie und nicht die Einengung auf Stromproduktion allein. Viele Energiethemen werden einfach nicht zu Ende gedacht. Und zwischen Energieproduktion und Energieversorgung wird leider oft nicht unterschieden. Dies ist aber essenziell: Am Ende wollen alle mit jeder notwendigen Energieform VERSORGT werden. Ein PV Panel oder Windrad PRODUZIERT lediglich Strom, versorgt aber keinen Haushalt, keinen Industriebetrieb und kein Fahrzeug mit bedarfsgerechter Energie. Die Unterscheidung zwischen Produktion und Versorgung ist schon mal ein wichtiger Anfang und damit ist schon weit über die Gemeindegrenzen hinweg gedacht.
Sie kennen die Welt der internationalen Energiepolitik und zugleich die Realität ländlicher Regionen. Wo haben kleine Regionen im globalen Wandel vielleicht sogar Vorteile gegenüber großen Ballungsräumen?
Markus Mitteregger: In kleinen Regionen ist Energie erlebbarer, aber trotzdem wird einem bewusst, dass der Weg, um sich nur halbwegs unabhängig zu machen, ein sehr weiter ist. Kremsmünster ist ein gutes Beispiel dafür. Wir haben hier ein gutes Nebeneinander der klassischen Öl- und Gasproduktion neben Solarpanelen und erneuerbarem Strom. In der nationalen und europäischen Energiepolitik wird teilweise wild gegen Öl- und Gas polemisiert, um dann schmerzlich festzustellen, dass man weiterhin massiv abhängig ist. Man hat nur die Lieferanten getauscht oder gegen sich aufgebracht. Ein stärkeres, konstruktives und nachhaltiges Einbinden der bisherigen Lieferanten der fossilen Energie würde den Übergang deutlich erleichtern.
Welche Rolle werden Regionen wie Oberösterreich in einer europäischen Wasserstoffwirtschaft spielen — Zulieferer, Speicherstandort, Innovationsraum oder alles zusammen?
Markus Mitteregger: Oberösterreich ist ideal, um die erneuerbaren Energien, die sehr starke und innovative Industrie und den Vorteil der kurz- und langfristigen Speicher zu einer Vorzeigeregion zusammenzubringen. Wir setzen heute schon bewusst auf österreichische Zulieferer, die ihre Produkte anhand unserer Projekte laufend verbessern können und damit bessere Entwicklungs- und Vermarktungschancen haben. Gleichzeitig liefern wir bereits Wasserstoff an Industriebetriebe und setzen diesen in unseren Kraftwerken ein. Das Land OÖ hat sich für 2030 als Zwischenziel gesetzt, 3,5 GW Strom mittels Photovoltaik zu produzieren, wodurch wir auch Überschüsse für unsere Wasserstoffproduktion haben werden. Viele Industriebetriebe sind auf Erdgas angewiesen und können dieses teilweise langfristig durch „Sonnenwasserstoff“ aus OÖ ersetzen. Wir realisieren ab 2027 ein erstes Wasserstoffnetz in Oberösterreich, das analog zum Erdgasnetzausbau in den 70er Jahren zuerst auf eigene Quellen setzt. Also hat Oberösterreich heute schon eine zentrale Vorzeigerolle in der europäischen Wasserstoffwirtschaft.
Zum Schluss des Interviews gab es noch eine persönliche Frage von Reinhard Haider, der das Interview führte:
„Wenn Sie heute durch Kremsmünster gehen: Gibt es einen Ort oder eine Erinnerung, die Sie daran erinnert, wo Ihr Weg begonnen hat?“
Markus Mitteregger: Ja, das ist unsere Faustballanlage, in der ich mich vom Jugendspieler bis zum Staatsmeister „hochgearbeitet“ habe. Dort habe ich Teamgeist, Zielorientierung und Durchhaltevermögen gelernt, schließlich dauert der Weg von der Regionalliga bis zur Bundesliga mindestens 5 Jahre. Und nach 7 Jahren war der Staatsmeister 1991 geschafft.
Interview mit Eveline Breitwieser-Wunderl (März 2026)

Eveline Breitwieser-Wunderl managt Vielfalt in der Arbeitswelt
Interview mit Mag. Eveline Breitwieser-Wunderl: Die gebürtige Kremsmünstererin managt bei der Porsche Holding in Salzburg Vielfalt und Inklusion und setzt Impulse rund um die neue Arbeitswelt.
Wer sind Sie und wann haben Sie Kremsmünster verlassen, um einen eigenen Weg zu gehen? Welche Ausbildung haben Sie? Gab es einen inneren Antrieb?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Ich bin als Enkelin im Gasthaus Rottensteiner/zu den drei Pinzgauern aufgewachsen und mit 7 Jahren mit meinen Eltern in die Neuhofstraße gezogen. Nach dem Besuch der Volksschule in Kremsmünster, absolvierte ich das Gymnasium in Schlierbach, wo ich 1992 maturierte. Danach Studium Anglistik und Amerikanistik sowie die Fächerkombination aus Psychologie Philosophie und Pädagogik an der Universität in Salzburg mit Abschluss 1999. Heute wohne ich in Bayern im Landkreis Rosenheim.
In die Automobilindustrie kam ich durch Zufall. Ich schrieb meine Diplomarbeit und arbeitete nebenbei als Assistentin des Vertriebsleiters bei smart in Salzburg. Die Marke war damals neu, jung und aufstrebend. Das hat mich angesprochen. Danach sollte ich eigentlich mein Probejahr am musischen Gymnasium in Salzburg starten, aber es kam anders: der damalige Geschäftsführer von Mercedes-Benz Salzburg bot mir eine Stelle als Marketingleiterin bei der Firma Pappas/Mercedes-Benz Salzburg an. Das war der Startpunkt meiner Karriere in der Automobilbranche.
2001 wechselte ich zu Porsche und war bis 2012 Marketingleiterin für die Porsche Bank AG. Von 2012-2014 war ich für den Personalbereich der Porsche Bank AG verantwortlich und stieg 2016 nach einer Karenzpause (Geburt meiner Zwillinge) im Trainingsbereich wieder ein. 2018 wurde die Stelle innovative Arbeitswelten und Diversität Management neu geschaffen, und ich durfte sie übernehmen.
Heute haben Sie als Diversity- und Inclusion-Managerin in einem der größten Konzerne Österreichs, konkret bei der Porsche Holding in Salzburg, eine verantwortungsvolle Aufgabe. Was begeistert Sie daran bis heute?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Die Vielfältigkeit. Eine dynamische Stelle, in der ich mit vielen Stakeholdern zu tun habe. Es geht um Kulturveränderung und dafür braucht es: ein breites Wissen über das Geschäftsmodell und die Organisation sowie gute Vernetzung. Dazu das richtige Gespür, wie man die Sache angeht und man die Menschen mitnimmt.
Abgesehen von den verschiedenen Handlungsfeldern, sind wir ein großer Konzern, der in 29 Ländern tätig ist und über 37.000 Mitarbeitende beschäftigt, eingebettet in einen noch größeren Mutterkonzern, die Volkswagen AG. Das internationale Konzernumfeld finde ich besonders spannend.
Was bedeutet Diversity für Sie ganz persönlich – nicht nur als Managementbegriff, sondern im Umgang mit Menschen?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Diversität heißt übersetzt Vielfalt und bedeutet für mich den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu verstehen. Jeder und jede von uns bringt einzigartige Fähigkeiten mit. Je inklusiver das Umfeld, also je mehr ich mich zugehörig fühle und je höher die psychologische Sicherheit in meinem Arbeitsumfeld ist, desto besser können Menschen ihre Talente entfalten.
Auf Ihrem Berufsweg haben Sie sich in der Wirtschaft behauptet. Gab es eine Herausforderung oder eine Hürde, an der Sie besonders gewachsen sind?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Hürden gibt es immer wieder. Ich finde, es geht darum mit welchem Mindset man ihnen begegnet. Ich sehe sie als Wachstumschancen. Besonders prägend war für mich die Zeit des Wiedereinstiegs nach der Elternzeit. Damals gab es noch kein Home Office und keine Führung in Teilzeit. Heute gibt es beides, dazu habe ich im Konzern beigetragen.
Wenn Sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken: Welche Werte aus Ihrer Kindheit und aus Ihrer Heimat haben Sie dabei geprägt?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Ich habe von meinen Großeltern gelernt, dass alle Menschen die gleiche Behandlung verdienen. Zusammenhalt ist wichtig und Chancen ergreifen, wenn sie sich bieten. Ich war immer heimatverbunden: sowohl zu Kremsmünster, als auch zu Oberösterreich und Österreich. Ich bin stolz auf meine Wurzeln, sie sind meine Superpower.
Wenn man heute auf Ihre Karriere schaut, wirkt vieles sehr beeindruckend – wie viel Mut hat dieser Weg tatsächlich gebraucht?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Der Weg entsteht immer dadurch, dass man ihn geht. Ich hatte eine grobe Vorstellung, wollte führen. Alles andere hat sich ergeben, in dem sich mir Chancen geboten haben, die ich ergriffen habe. Für eine Karriere braucht es immer 3 Faktoren: können, wollen und dürfen.
Selbstbewusstsein und Mut sind Tugenden von mir. Wachstum entsteht immer außerhalb der Komfortzone und auch, wenn man noch unsicher ist oder sich etwas noch nicht zutraut: einfach mal machen!
Wenn Sie heute nach Kremsmünster kommen: Was ist das Erste, das Ihnen ein Gefühl von Vertrautheit und Ankommen gibt?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Meine Familie, das Elternhaus. Und meine Verbundenheit zum Ort, vor allem zum Stift und auch zu den guten Wirtshäusern. Ich gehe gerne ins Stift zum Spazieren, wenn Zeit ist in eine Messe in die Stiftskirche. Und ich gehe einmal im Jahr ins Theater. Das ist immer ein Fixtermin. Heimat ist Entschleunigung und ein Gefühl von Vertrautheit, zu Hause ankommen.
Was würden Sie jungen Menschen aus Ihrem Heimatort mitgeben, die ebenfalls große Ziele haben?
Eveline Breitwieser-Wunderl: Traut euch groß zu träumen und lasst euch nicht limitieren weder von euren eigenen Glaubenssätzen noch von eurem Umfeld. Jede:r darf das Leben leben, das zu ihr/ihm passt. No limits!
Homecoming-Interview mit Dr. Karin Dietachmayr (Februar 2026)

Seit wann bist du nicht mehr in Kremsmünster – und wie kam es zum „Homecoming“?
Karin Dietachmayr: Beruflich und privat war ich viele Jahre hauptsächlich in Linz zu Hause – seit 2023 bin ich wieder mehr daheim in Kremsmünster. Ich wollte wieder aufs Land und näher an meine Familie. Statt eines Heimkommens auf einmal ist es eher ein langsames Wieder-Andocken: Schritt für Schritt knüpfe ich neue Fäden, erobere vertraute Wege wieder – und treffe nach und nach alte und neue Gesichter, die Kremsmünster für mich ausmachen.
Studium und beruflicher Werdegang – wie hat sich dein Weg entwickelt?
Karin Dietachmayr: Begonnen hat alles bei der Firma Greiner, wo ich nach der Matura in den Finanzbereich eingestiegen bin. Dort habe ich fast fünf Jahre gearbeitet und nebenbei ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der JKU Linz begonnen.
1999 wechselte ich zur Energie AG Oberösterreich. Zuerst war ich auch hier im Finanzbereich tätig, nach einigen Jahren ging es für mich weiter in neue Aufgaben. Ich habe mich immer mehr damit beschäftigt, wie sich ein großes Unternehmen weiterentwickeln kann, wie man Abläufe verbessert und neue Ideen umsetzt.
Heute bin ich seit über 26 Jahren bei der Energie AG. In dieser Zeit durfte ich viele Veränderungen miterleben und mitgestalten. Besonders wichtig ist mir dabei eines: offen für Neues zu bleiben und den Mut zu haben, Dinge anders zu denken.
Seit Oktober 2023 leite ich den neu gegründeten Bereich für Innovation in der Energie AG. Meine Aufgabe ist es, neue Ideen zu fördern und gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen an Lösungen für die Energiezukunft und Kreislaufwirtschaft zu arbeiten. Zusätzlich bin ich Geschäftsführerin der Wertstatt 8 GmbH, einem Tochterunternehmen der Energie AG, in dem wir neue Geschäftsideen entwickeln.
Neben meiner beruflichen Tätigkeit habe ich 2017 auch mein Doktorat abgeschlossen. In meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich mich damit beschäftigt, wie sich große Unternehmen erfolgreich verändern können – ein Thema, das mich bis heute begleitet.
Persönliches / Fakten – wer bist du „neben dem Job“?
Karin Dietachmayr: Ich mag es, Dinge zu verbinden: Menschen, Perspektiven und „alte“ mit „neuer“ Welt. Und ich glaube sehr daran, dass Fortschritt und Lebensqualität zusammengehen müssen – gerade in Energie- und Umweltfragen. Ich lasse hier Worten auch Taten folgen und forciere die Energiewende und Klimaschutz auch bei mir zu Hause. Gesellschaftliche Entwicklungen interessieren mich sehr und so engagiere ich mich, wenn Zeit bleibt, auch für Geschlechtergerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Tiere und Artenvielfalt. Besonders wichtig ist mir auch meine Familie. Ich lebe mit meinen Eltern zusammen und bin stolze Tante und Großtante. Und ich liebe den Garten, auch wenn er viel Arbeit bedeutet.
Dein Beruf in einem Satz?
Karin Dietachmayr: Head of Innovation, Energie AG Oberösterreich – und Geschäftsführerin der Wertstatt 8 GmbH: Ich koordiniere die Innovationsaktivitäten im Konzern und entwickle gemeinsam mit Teams und Partnern neue Lösungen und Geschäftsideen. Es geht darum, offen für Veränderungen zu sein, Neues auszuprobieren und den Menschen gute Energie zu geben.
Was ist Innovation – ganz einfach erklärt?
Karin Dietachmayr: Innovation heißt für mich: aus echten Problemen neue, bessere Lösungen machen – so, dass sie im Alltag funktionieren und Nutzen stiften. Im Konzern heißt das auch: Aktivitäten bündeln, Kooperationen nutzen (z. B. mit Startups) und die passenden Innovationsstrukturen bauen – denn jedes Unternehmen muss diese für sich zuschneiden.
Innovative Lösungen der Energie AG: Was kann ich als Bürger:in davon brauchen?
„Paula“ (LINO Solutions): Ein digitales Assistenzsystem für sturzgefährdete Personen, das anhand von Routinen im Stromverbrauch ungewöhnliche Abweichungen erkennt. Bei Abweichungen erfolgt eine Rückfrage. Bleibt eine Rückmeldung aus, werden die hinterlegten Kontaktpersonen informiert.
„EnergieSparCoach“: Eine Anwendung für Kundinnen/Kunden der Energie AG, um den eigenen Stromverbrauch zu analysieren und gezielt zu optimieren. Aktuell kostenlos zu testen.
„E-Fairteiler“: Eine App + Ökostrom-Tarif, mit dem sich Menschen in Gruppen verbinden und regionalen Sonnenstrom transparent untereinander „teilen“ bzw. verrechnen können.
„ZUSA“: Eine KI-gestützte Nachhaltigkeitsplattform, die mit fundierten Informationen, Inspiration und kuratierten Angeboten dabei unterstützt, leichter nachhaltige Entscheidungen im Alltag und beim Einkaufen zu treffen.
Wenn du an das letzte Jahr denkst, worüber hast du dich besonders gefreut?
Karin Dietachmayr: Da gab es ein paar Dinge, aber das persönliche Highlight war, als ich beim Publikumsvoting vom Startup-Medium brutkasten die Auszeichnung „Innovator of the Year“ in der Kategorie Unternehmensinnovation gewonnen habe und den Preis nach Oberösterreich in die Energie AG holen konnte. Eine große Anerkennung für unser Innovationsteam und alle engagierten Kolleg:innen im Konzern – Innovation ist schließlich keine One-Woman-Show, sondern Teamsport.
Heimat Kremsmünster – was bedeutet das für dich?
Karin Dietachmayr: Heimat ist für mich Erdung und Energiequelle zugleich. Kremsmünster steht für Bodenständigkeit, Lebensqualität, Vielfalt, aber auch für eine große Offenheit gegenüber Neuem und Kultur. Das zeigt sich daran, dass wir die digitalste Gemeinde Österreichs sind, aber auch an außergewöhnlichen Kulturevents wie Figorama oder dem traditionsreichen Theater am Tötenhengst und dergleichen. Kremsmünster ist ein idealer Nährboden für Innovation. Von daher bin ich hier genau richtig.
Besuch von Gerald Englmair (Dezember 2025)

Vor kurzem war Gerald Englmair wieder zu Besuch in seiner Heimatgemeinde Kremsmünster. Er lebt in Kopenhagen und arbeitet als Associate Professor an der Technischen Universität Dänemark (DTU).
Gerald ist vor 10 Jahren aufgebrochen, um als Jungforscher sein Doktorrat an der DTU und an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking (Aufenthalt: 8 Monate) zu absolvieren. Ursprünglich als Agrar-Ingenieur tätig, besuchte Gerald die Fachhochschule (FH) Wels und studierte Öko-Energietechnik. Nach dem Masterstudium arbeitete er 2 Jahre am Welser Solar-Innovationscenter „AsiC“, welches sich als Sprungbrett für eine international wissenschaftliche Karriere herausstellen sollte.
Forschungsgebiet: Wärme- und Kältespeicher
Heute forscht Gerald an kompakten Wärme- und Kältespeichern, die beispielsweise einen flexiblen Betrieb von Wärmepumpen und Kältemaschinen ermöglichen, etwa für Serverraumkühlung oder solare Kühlung. Ziel ist es, mehr erneuerbare Energien wie Sonnen- und Windstrom über bestehende elektrische Netze nutzen zu können und Wärme bzw. Kühllastspitzen auszugleichen.
Dabei kommen sogenannte Phasenwechselmaterialien zum Einsatz, die bei bestimmten Temperaturen schmelzen/verfestigen und somit eine deutlich höhere Energiedichte als Wasser- oder Thermoöl bieten. Das spart Platz und Gewicht und bringt Kostenvorteile für Gebäude- und Industrieanwendungen.
Einen öffentlichen Einblick in seine Arbeit gab Gerald 2022, als ihn Servus-TV in Dänemark besuchte. International teilt er seine Forschungsergebnisse unter anderem in Expertengruppen der Internationalen Energieagentur (IEA). Außerdem unterrichtet er Wärmepumpen, Solarenergie und Heizsysteme in Kopenhagen sowie am „Arctic Campus“ der DTU in Sisimiut, Grönland und ist Gastvortragender and der KTH in Stockholm.
Heimatverbundenheit
Trotz seiner internationalen Tätigkeit bleibt Gerald seiner Heimat verbunden. Er arbeitet mit österreichischen Forschern zusammen und verbringt seine Freizeit gerne in Kremsmünster, wo er fast 30 Jahre seinen Lebensmittelpunkt hatte. Als ehemaliges Mitglied der FF Irndorf, der Jugendfeuerwehr und der Katholischen Jugend pflegt er sein „Kremsmünsterer-Netzwerk“. Von 2009 bis 2015 war Gerald auch in der Gemeindepolitik aktiv, und hat sich vor allem im Umweltausschuss und bei Bürgerenergieprojekten eingebracht.
Besuche am Stammtisch oder bei Veranstaltungen wie dem Marktfest, der Mostkost oder dem Frühjahrskonzert des Musikvereins gehören für ihn bei jeder Österreich-Reise dazu. Auch mehrere internationale Gäste konnte er bereits von der Schönheit unseres Stiftsortes überzeugen.
Die Verbindung zu Kremsmünster sind natürlich Heimatbesuche bei den Eltern und Verwandten, die Gemeindenachrichten, die auch Kopenhagen erreichen, viele Freunde und: im Sommer das Schwimmen im Freibad.
Auf die Frage von Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr, ob auch die Gemeinde Kremsmünster von der Expertise des Auslands-Österreichers profitieren könnte, antwortete Gerald Englmair: „Gerne stehe ich meinem Heimatort zur Verfügung, online oder auch in Kremsmünster.
Fakten zu Gerald Englmair:
- Sohn vom „Mauerbauer“ im Schacher
- Forscht und lehrt an der DTU. Aktiv am Dänischen Zentrum für Energiespeicher
- Kalundborg-Refinery Preis 2024 – Dänemark´s ältester Forschungspreis in der Technik
- Sein Sohn Harald ist 6 Jahre alt
- Hobbies: Windsurfen in Dänemark, Schifahren und Bergwandern in Österreich