Interview mit Anna Lischka

Interview mit Anna Lischka

Bürgermeisterin Dagmar Fetz-Lugmayr, Anna Lischka und Amtsleiter Reinhard Haider (v.l.n.r.)

... über österreichische Kultur in Belgien und was Stiftsführungen damit zu tun haben.

Anna Lischka, geborene Humenberger, ist in Kremsmünster aufgewachsen. Nach der Volksschule besuchte sie das Gymnasium Schlierbach und studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien Handelswissenschaften. Studien- und Auslandsaufenthalte in den USA und Australien sowie ihre Leidenschaft für Kunst und Kultur prägten ihren weiteren Weg. Heute lebt Mag. Lischka mit ihrem Mann und Sohn in Brüssel und arbeitet als Kulturreferentin am Österreichischen Kulturforum. Wir wollten das im Interview genauer erfahren: 

Was genau sind Ihre Aufgaben als Kulturreferentin am Österreichischen Kulturforum Brüssel – und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? 
Anna Lischka: Das Österreichische Kulturforum (ÖKF) Brüssel ist organisatorisch in der Österreichischen Botschaft in Brüssel angesiedelt und somit Teil des Außenministeriums. Unser dreiköpfiges Team arbeitet inhaltlich und programmatisch weitgehend eigenverantwortlich, und zugleich eng mit dem Botschafter zusammen.

Zu meinen Aufgaben gehören die Umsetzung der österreichischen Auslandskultur und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Österreich und Belgien. Außerdem unterstütze ich österreichische Kunstschaffende sowie Forschende – insbesondere junge Talente – dabei, Kontakte in Belgien aufzubauen. Dazu gehören auch die Auslotung von Fördermöglichkeiten und die organisatorische Begleitung von Projekten.

Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht, weil unterschiedliche Projekte oder Anfragen immer wieder Abwechslung oder Überraschungen bringen. Es gibt aber natürlich bestimmte Routinen in der Organisation einer Veranstaltung; der Weg dort hin kann aber recht vielfältig sein, so wie auch unsere Projektpartner recht unterschiedlich sein können. Das macht diese Aufgabe auch so interessant. Mein Arbeitsalltag ist eine Mischung aus Kulturmanagement (Programmplanung und Projektumsetzung), klassischer Bürokratie (Berichte, Abrechnungen), Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkarbeit. Die Kommunikation und der Austausch mit Kunstschaffenden und Partnerinstitutionen sind ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit.

Besonders spannend an meiner Tätigkeit in Belgien finde ich die sprachliche Vielfalt: In meinem Arbeitsalltag wechsle ich je nach Gesprächspartner und Situation zwischen Deutsch, Französisch, Niederländisch und Englisch. Gleichzeitig bietet mir die Arbeit die Möglichkeit, durch Kulturprojekte Menschen aus unterschiedlichen Ländern miteinander zu verbinden.

Wie kommen österreichische Künstlerinnen und Künstler zu einem Auftritt in Belgien? Treten diese an Sie heran, melden sich belgische Veranstalter – oder werden Sie selbst aktiv und sprechen gezielt Einladungen aus?
Anna Lischka: Ja, alle Varianten sind möglich. Hauptsächlich treten die Künstlerinnen und Künstler direkt an uns heran. Dann werden die Rahmenbedingungen besprochen und die Vermittlung von Kontakten bzw. die Abklärung der Fördermöglichkeiten startet. 

Mit dem Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker aus dem nahe gelegenen Eberstalzell oder der Sängerin Avec waren u.a. auch Kunstschaffende aus Oberösterreich Teil Ihrer Arbeit. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Anna Lischka: Reinhard Kaiser-Mühlecker beispielsweise haben wir aus eigener Initiative für drei Lesungen in Brüssel eingeladen. Besonders reizvoll finde ich dabei, die Künstlerinnen und Künstler auch abseits der Bühne kennenzulernen – die persönlichen Begegnungen und Gespräche sind sehr bereichernd. Die Betreuung kann dabei durchaus vielfältig sein: einmal musste ich drei Musikerinnen samt ihren Instrumenten (ein großes Cello und eine Violine) in meinem kleinen Auto zum Auftrittsort an der niederländischen Grenze bringen, weil es dorthin keine öffentliche Verbindung gab. Zum Glück war das Klavier bereits vor Ort. Solche Situationen sorgen für die eine oder andere lustige Geschichte. Durch die enge Zusammenarbeit entstehen manchmal sogar persönliche Verbindungen und Freundschaften.

Sie begegnen in Ihrem Beruf vielen österreichischen Künstlerinnen und Künstlern. Gab es eine Begegnung, die Sie persönlich besonders überrascht oder beeindruckt hat?
Anna Lischka: Beeindruckend war u.a. eine Lesung von Robert Menasse, die aufgrund des großen Interesses mit mehr als 600 Personen in einen zweiten Saal übertragen werden musste. Aber jede Begegnung ist für sich besonders und inspirierend. Im persönlichen Austausch habe ich auch bekannte Künstlerpersönlichkeiten oft als sehr bescheiden und unkompliziert erlebt.

Wie wichtig ist das Netzwerk zu belgischen Festivals, Kulturhäusern und Veranstaltern – und wie baut man solche Beziehungen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg auf?
Anna Lischka: Netzwerke und persönliche Kontakte sind für meine Arbeit ganz wesentlich und entstehen vor allem durch viel Engagement und persönlichen Austausch. Dabei ist es mir besonders wichtig, unsere belgischen Partner möglichst in ihrer jeweiligen Muttersprache anzusprechen. Das macht die Kommunikation dann persönlicher, schafft Nähe und Wertschätzung. Offen auf Menschen zuzugehen und gerne den Kontakt zu suchen, ist dabei sicherlich eine wichtige Voraussetzung.

Darüber hinaus arbeiten wir auch mit den in Belgien ansässigen Kulturinstitutionen der anderen EU-Länder zusammen und organisieren gemeinsame Projekte wie das Festival des deutschsprachigen Films.

Schon in jungen Jahren haben Sie Führungen im Stift Kremsmünster übernommen. War das rückblickend bereits eine erste Vorbereitung auf Ihren heutigen internationalen Beruf?
Anna Lischka: Mit 17 Jahren habe ich in den Ferien schon die ersten Stiftsführungen übernommen und kam verstärkt mit Kunst und Kultur in Berührung. Dabei konnte ich auch meine Französisch- und Italienisch-Kenntnisse gut einsetzen. Der erste Berufsweg führte mich in das Unternehmen von Karlheinz Essl. Dort durfte ich mir - wie allen anderen Mitarbeitenden - ein Kunstwerk aus der renommierten Sammlung für mein Büro aussuchen. Diese Geste war für mich eine besondere Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden und Kunstschaffenden gleichermaßen.

Welches Bild von Österreich wollen Sie in Belgien vermitteln?
Anna Lischka: Wir möchten ein vielfältiges und modernes Österreich zeigen – ein Land mit einer reichen Kultur und Tradition, und gleichzeitig mit einer lebendigen zeitgenössischen Kunst- und Kulturszene. Österreich soll mit den Mitteln der Kultur positiv wahrgenommen werden.

… und welche Bilder gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie heute nach Kremsmünster heimkommen?
Anna Lischka: Von der Autobahn kommend, freue ich mich jedes Mal, wenn sich der Blick ins Kremstal öffnet und die Stiftstürme auftauchen. In Kremsmünster mag ich auch besonders den Blick von der Moschee in Richtung Berge und über den Ort – von dort ist genau gegenüber auch mein Elternhaus zu sehen.